01.08.2026

Landschaftsarchitektur mit Bienen und Bestäubern – Interview mit dem ByAK-Imker

Planen und Bauen Klimaanpassung

Bienen fliegen in einen Bienenstock

Foto: Tobias Hase

Thomas Abt, Imker mit Bienestöcken auf dem Grundstück der Bayerischen Architektenkammer, im Interview mit der BEN

"Die Honigbiene hat mit Imkern eine gute Unterstützung. Entscheidend ist aber auch, dass wir die vielen weiteren Insekten wieder stärken – denn nur wenn die gesamte Vielfalt funktioniert, funktioniert auch das System."

Thomas Abt, ByAK-Imker

 

BEN: Was ist bei der Aufstellung von Bienenstöcken zu beachten?

Thomas Abt: Bienen brauchen vor allem Ruhe. Ein geeigneter Standort ist sonnig, windgeschützt und verfügt über eine freie Einflugschneise von etwa zwei bis drei Metern. Mindestens ebenso wichtig ist die Rücksicht auf das Umfeld: Ausreichender Abstand zu Nachbargrundstücken oder Gehwegen hilft, Konflikte zu vermeiden. Auch das Imkern auf Dächern ist möglich und kann einen spannenden Zugang zur Natur schaffen. Allerdings bringen solche Standorte Herausforderungen mit sich: stärkere Winde, fehlender Sonnenschutz und ein nicht zu unterschätzender logistischer Aufwand beim Transport des Materials. Klassische Gartenstandorte sind daher oft deutlich praktischer.

BEN: Wie können Freiräume bestäuberfreundlich geplant werden?

Thomas Abt: Landschaftsarchitektur hat hier einen enormen Einfluss. Entscheidend ist Vielfalt: Statt monotoner Rasenflächen braucht es abwechslungsreiche Pflanzungen, die vom Frühjahr bis in den Herbst hinein Nahrung bieten. Besonders geeignet sind heimische Pflanzenarten, da sie optimal auf die Bedürfnisse einheimischer Insekten abgestimmt sind. Gleichzeitig sollten Lebensräume mitgedacht werden. Dazu zählen Rückzugsorte wie Totholz, offene Bodenstellen oder bewusst weniger gepflegte "wilde" Bereiche. So entsteht kein rein gestalterischer Raum, sondern ein funktionierendes Ökosystem.

BEN: Welche Planungsansätze sind problematisch?

Thomas Abt: Kritisch sind vor allem versiegelte Flächen und monotone Gestaltungen. Schottergärten oder großflächige Betonflächen bieten weder Nahrung noch Lebensräume und wirken für Insekten wie Wüsten. Ebenso problematisch ist der Einsatz von Pestiziden: Selbst wenn sie nicht unmittelbar tödlich sind, beeinträchtigen sie Orientierung, Immunsystem und Fortpflanzung vieler Arten. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Perspektive: Während die Honigbiene viel Aufmerksamkeit erhält, sind Wildbienen, Hummeln und andere Bestäuber oft stärker gefährdet. Gerade sie übernehmen jedoch einen Großteil der Bestäubungsleistung. Planungen sollten daher immer die gesamte Insektenvielfalt im Blick haben.

BEN: Warum sind Bienen und andere Bestäuber gerade in Städten so wichtig?

Thomas Abt: Bestäuber sind unverzichtbar für funktionierende Ökosysteme und die Nahrungsmittelproduktion. Ohne sie würden viele Pflanzen nicht mehr fruchten, Ernten würden zurückgehen. Städte bieten dabei ein oft unterschätztes Potenzial: Mit begrünten Dächern, vielfältigen Parks und bepflanzten Balkonen lassen sich wertvolle Lebensräume schaffen. Wenn urbane Räume blühen, profitieren nicht nur Insekten – auch die Lebensqualität für Menschen steigt spürbar. Am Ende zeigt sich: Eine bienenfreundliche Stadt ist zugleich eine lebenswertere Stadt.

Interview: Lucia Nückel, BEN

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